Friday, October 27, 2006

Eine Hausfrau, wie aus dem Bilderbuch

Lange hat man nichts von mir gehoert und das hat Gruende. Ueberfluessige Zeit nutzend, um mehr oder weniger sinnvoll oder sinnentleert einmal mehr im Internet zu surfen, stiess ich auf Volontaere, die ihr Leben in der weiten Ferne mit einer Menge mehr Witz dokumentierten, als ich das tue. Von dieser Tatsache schwerstens geschockt, vertraute ich mein Problem Karoline an, worauf hin wir uns koestlich darueber amuesierten, wie unlustig ich bin und beschlossen, dass mein naechster Blog, an Lustigkeit alle anderen ueberbieten wird. Durch diesen Anspruch meiner Inspiration beraubt, konnte ich mich nicht mehr dazu aufraffen, diese meine Memoiren fortzufuehren. Mitlerweile habe ich mich schweren Herzens damit abgefunden, dass ich nicht der witzigste Mensch dieses Planeten bin und meine Blogeintraege wie gehabt im Reisefuehrerstyle verfasst werden.
Die letzten Wochen brach der Alltag in Yag Hashmona aus. Ich machte das ca. 145. Bett, fuellte die ca. 165. Teebox, wischte den ca. 98. Fussboden und die Menge der geputzten Toiletten ist nicht mehr jugendfrei. Ich denke, es gibt wenige Teenies in meinem Alter, die eine so stattliche Anzahl an geputzten Toiletten aufzuweisen haben. Doch man gewoehnt sich daran und sammelt Erfahrungen fuer's Leben. Mein zukuenftiger Mann kann sich jetzt schon gluecklich schaetzen, denn nach 6 Monaten Yad Hashmona, werde ich ein ganzes Haus in schaetzungsweise 45 min blitzeblank putzen koennen.
Weiteres in der Rubrik neuste Neuigkeiten: Meine 1. Hebraeischstunde. Wie sich das in der Schule gehoert, sass ich mit Karo und Miriam, einer neuen Volontaerin aus der Schweiz, in der letzten Reihe, ass Schnuckzeug und redete mehr als die Lehrerin oder besser zur selben Zeit. Was uns natuerlich nicht daran hinderte, alles mitzubekommen und brav Reihe ueber Reihe mit hebraeischen Buchstaben zu fuellen. Schmi Hanna. Ani me Germania. Man rate, was das heisst. Die Schrift ist schon kompliziert, aber es ist cool ein bisschen von der Sprache zu lernen, wenn man schon mal hier ist. Ich hatte gerade begonnen, die Schule zu vermissen.
Meine Freizeit verbringe ich, in der von uns kuerzlich entdeckten hauseigenen Sauna, mit dem Konsum von Monty Python Filmen und Buechern ueber Buechern. Und wenn's ganz langweilig wird, verbringen wir Maedchen unsere Zeit damit, Make-up-Parties zu verantstalten, wovon ich hier aber nicht weiter berichten werde, denn das ist definitiv nicht das, wovon ihr mehr lesen wollt.
Die Deutschsprachigen hier uebernehmen uebrigens langsam das Boot von den Finnen. Es kommen immer mehr Leute an, die der deutschen Mundart maechtig sind, und immer mehr Finnen gehen ueber Bord, oder mehr an Bord der Flugzeuge zurueck in den kalten Norden. So rede ich fast mehr Deutsch als Englisch, was manchmal ein bisschen schade ist, denn so wird hoechstens mein Deutsch besser. Dieses wurde durch Karolines Schwaebisch und Miriams Schwitzerdeutsch schon um einige Ausdruecke bereichert. Miriam und ich beschlossen uebrigens heute, dass wir nun Kolleginnen sind, was Schwitzerdeutsch ist und nichts mit gemeinsamer Arbeit, sondern mit dem Grad der freundschaftlichen Bindung zu tun hat und soviel heisst, wie dass wir jetzt Kumpel sind und vielleicht mal Freunde werden.
Eine weitere Sache, die mich an die Heimat erinnert: Es regnet gerade in Stroehmen. Fast ein echtes deutsches Herbstgewitter. Da es hier also immer deutscher wird, nimmt auch mein Heimweh ab. Ich freu mich, wenn ich wieder nach Hause kommen darf, aber langsam kann ich mich auch hier fast wie zu Hause fuehlen. Wenn's auch nicht so schoen ist, wie daheim bei Muttern.

Tuesday, October 17, 2006

Eilat

Wie ihr hier sehen koennt, hatte ich einenschoenen Kurzurlaub in Eilat am letzten Wochenende. Eilat ist die suedlichste und damit auch heisseste Stadt in ganz Israel. Wir haben unsere Zelte an einem felsigen Strand nur fuenf Minuten Fussweg von der aegyptischen Grenze entfernt aufgeschlagen. Die Stadt ist voll von Touristen und ueberall sind Hotels. Die Menschen kommen dorthin, um zu feiern und Spass zu haben. Eine vollkommen andere Atmosphaere als in Jerusalem, wo alles mehr ernsthaft und von den religioesen Juden gepraegt ist. Wir haben die Sonne genossen und waren Schnorcheln inmitten von wunderschoenen Korallen und Fischen. Abends sind wir in die Stadt gefahren, waren auf dem Markt, im Kino, haben unkoschere Pizza gegessen oder im Beduinenzelt Wasserpfeife geraucht und Tee getrunken. Eine schoene Abwechslung zum Arbeitsalltag in YadHashmona und ein bisschen Sonne tanken, bevor es hier auch langsam kaelter wird.
Um wieder Ordnung in meinen chaotischen Blog zu bringen, verlaengere ich diesen Eintrag noch um einige geistreiche Zeilen. Was passierte noch in Eilat? Die verzweifelte Suche nach Kamelen zum Beispiel. Hanna dachte, da sie nun schon einmal in der Wueste ist, waere es doch angebracht, sich einmal auf den Ruecken eines Doppelhoeckers zu begeben. Diese sollte es in Eilat auch eigentlich geben. So machten Friedrich, Nathanael und Hanna sich eines Morgens auf, um besagtes Wuestentier aufzutreiben, waehrend der weibliche Rest der Crew namentlich Karoline und Laura es vorzog, in der gluehenden Hitze vor sich hin zu brutzeln. Mit genuegend Wasser bewaffnet zogen wir also die Strandpromenade entlang, bis wir zur Kamelfarm gelangten, die lustigerweise mehr einer Wildwestfarm glich. Vor dem grossen Holztor stand somit die Statue eines Cowboypferdes, was mich daran zweifeln liess, dass das ueberhaupt die besagte Kamelfarm war. Doch Nathanael war sich seiner Sache sicher, was uns auch nicht half, denn wie das mit Wildweststaedten zuweilen ist, diese war ein Geisterdorf, sprich weder Mensch, noch Pferd, noch Kamel in Sicht. So mussten wir uns, nachdem Friedrich, genau wie er ist, noch ein paar Fotos durch die Holzplanken des Gatters schoss, wohl oder uebel auf den Rueckweg machen. Wir passierten noch einen Platz, an dem es, glaubte man den Schildern, die dort standen, Kamele geben sollte. Es roch auch strengstens nach Kamel, was nichts an der Tatsache aenderte, dass weit und breit keins in Sicht war. So machten wir uns nach dieser missglueckten Fahndung, ohne in den Genuss eines Kamelritts gekommen zu sein, wieder auf den Rueckweg, um mit dem Rest der Crew weiter in der Sonne zu brutzeln. Man glaubt es nicht, aber just
als wir am naechsten Tag in den Bus stiegen, wurde das viel gesuchte Wuestentier gesichtet, genau da, wo es laut Schildern seinen sollte. Das nenn ich Pech und einen Grund nochmal in die Wueste zu fahren.



Monday, October 09, 2006

Laubhuetten und Traubenmatsch
Diese Woche feiern wir in Israel das Laubhuettenfest. Alle Juden bauen sich kleine Huetten, die mehr aus Pappe und buntem Klimmbimm bestehen als aus Laub, wovon es hier ja auch nicht so viel gibt. In diesen Huetten feiern sie "Sukoth". Auch hier im Moshaw gibt es einige und ich werde diese Woche hoffentlich noch nach Jerusalem kommen, um die Huetten dort zu sehen.
Ausserdem haben die Ibexstudenten, eine Bibelstudiengruppe aus den USA, die hier fuer drei Monate studieren, gestern im biblischen Garten von Yad Haschmona Trauben gepresst wie zu biblischen Zeiten. Die Trauben wurden in ein grosses, steinernes Becken geschuettet und dann sind die Studenten, sogar mit passenden Gewaendern versehen, darauf rumgetrampelt, bis der Saft aus einem kleinen Abfluss am Rand des Becken geflossen ist. Der Saft sah ziemlich braun aus, aber es war echt lustig und auf jeden Fall interessant, sowas mal gesehen zu haben.
Ein bisschen zu mir persoenlich: Die Zeit vergeht superschnell und es ist bereits so normal hier zu sein, jeden Abend mit dem Zirpen der Grillen einzuschlafen und morgens bei Sonnenschein aufzustehen und in einem grossen Speisesaal zu fruehstuecken, statt zu Hause in einer kleinen Kueche mit der Familie. Ich fuehle mich echt wohl bei den Leuten hier und geniesse die Gemeinschaft mit ihnen, manchmal sitzt man bis zu zwei Stunden am Essenstisch und unterhaelt sich. Doch man trifft sich immer eher zufaellig und es gibt wenig Gelegenheit echt persoenlich zu werden, sodass ich es immer noch ein wenig vermisse richtige Freunde um mich zu haben, Menschen, die mich kennen und wissen wie ich denke. Aber ich glaube und merke, dass auch das sich mit der Zeit immer mehr ergibt. In manchen Momenten denke ich, ok, ich habe jetzt genug Erfahrungen gemacht und ich moechte wieder nach Hause und dann bin ich wieder mit ganzem Herzen hier und freue mich ueber die Menschen um mich herum und bin gespannt darauf einfach noch mehr von dem Land und der Kultur kennenzulernen.

Wednesday, October 04, 2006



Yom Kippur
Am 2. Oktober, kurz bevor ihr in Deutschland den Tag der deutschen Einheit gefeiert habt, ist hier in Israel Yom Kippur gewesen. Das ist der heiligste Feiertag der Juden. In bibl. Zeiten war es der Tag, an dem der Hohepriester ins Allerheiligste des Tempels gehen durfte und das Volk um Vergebung fuer seine Suenden gebeten hat. Heute ist es wohl der ruhigste Tag des Jahres. Man fastet von Sonnenuntergang am vorherigen Tag bis zum naechsten Sonnenuntergang, sogar ohne trinken, arbeiten ist streng verboten und so gut wie niemand faehrt Auto. Auch hier in Yad Haschmona war der Esssaal fuer den ganzen Tag geschlossen und keiner hat gearbeitet. Es gab nur einen kleinen Imbiss fuer Banausen wie mich, die nicht fasten, im Bunker (Davon gibt es hier auch einige, wenn sie auch mehr als Konferenzraeume genutzt werden.) Nach Sonnenuntergang haben wir Volontaere uns auf den Weg zur Autobahn gemacht. Was fuer ein cooles Gefuehl nachts auf einer komplett leeren Autobahn spazieren zu gehen. Einige haben sogar Football gespielt. Sowas erlebt man in Deutschland nicht.